Die Innerlichkeit des Heiligen Antonius von Padua als Heilmittel für unsere Zeit
Dieser Heilige lehrt uns viel über die unermüdliche Schaffenskraft, die dem Herzen unseres Herrn entströmt. Wenn wir das Leben des Heiligen betrachten, dessen Festtag wir heute feiern, dann wird eines klar: Er war durchdrungen von einem Geist der tiefen Betrachtung und Selbstverleugnung, die die Grundlage für seine Schaffenskraft waren.
Im Jahr 1195 geboren, als Kind frommer Eltern, war er schon früh durch das häusliche Umfeld auf seine erhabene Berufung vorbereitet. Seine Eltern sendeten ihn schon mit fünfzehn Jahren zu den Augustinern, einem Orden, in dem er eine lange Zeit seines Lebens mit dem Studium und dem Gebet zubrachte. Hier bildete sich der heilige Antonius heraus, den wir kennen und verehren, als Mann der heiligen Wissenschaft und der Betrachtung der göttlichen Wahrheiten.
Als er nach einigen Jahren mit fünf Franziskanern in Kontakt kam, die in Afrika das Martyrium erlitten hatten, war er von der Weisung des Heiligen Geistes unterrichtet, erfasst von einer großen Bewunderung für den Orden des heiligen Franziskus. Der Ordensgründer war zu dieser Zeit noch am Leben und durch ihn flossen große Gnaden auf die Christenheit, die zu dieser Zeit drohte, in Dekadenz zu verfallen.
Diese Bewunderung, die Ausdruck der Vorsehung Gottes war, leitete ihn dann durch viele Strapazen und Leiden hindurch zu dem festen Entschluss, dem Orden beizutreten. Seine Seele war ganz durchdrungen von dem Willen, sich selbst zu verleugnen und im Orden der Armut und Demut die Mittel und die Gnaden dafür zu finden. Es war ein heiliger Wunsch nach der vollkommenen Entsagung aller irdischen Interessen.
Als er schließlich die Erlaubnis erhielt, den Franziskanern beizutreten, suchte er das gleiche Martyrium, welches jene erlitten hatten, die ihn zu seiner heiligen Berufung ermutigt hatten. So wurde er nach Marokko gesandt, um dort den Glauben zu verkünden. Sein Herz brannte mit heiligem Eifer für die Bekehrung der Menschen dort und dafür, mit seinem Tod Zeugnis zu geben und den Ungläubigen durch das heilige Blut eines Märtyrers die Gnaden zu erwirken, die ihre Bekehrung benötigt.
Er erreichte zwar Afrika, aber die göttliche Vorsehung, die ihn durch eine Krankheit zur Rückkehr bewegte, hatte andere Pläne.
In Italien angekommen, traf er mit dem heiligen Franziskus zusammen und erhielt reichlich Gnaden, die ihn dazu bewegten, in Italien zu bleiben und, ganz der Demut und Armut seines Ordens gemäß, als Tellerwäscher zu arbeiten. Er verbarg seine intellektuellen Fähigkeiten und seine rednerische Begabung als Ausdruck seiner heiligen Demut und seines innigsten Wunsches, der Welt ganz verborgen zu bleiben. Er ahmte damit auch den Namenspatron seines Ordensnamens nach, indem er wie dieser in eine geistliche Wüste ging und sich dort wie ein Einsiedler unter den Menschen verbarg. Er wollte in seinen heiligen Betrachtungen nur Gott und seinen Engeln bekannt sein und erreichte das auch eine zeitlang.
Doch erneut zeigte die göttliche Vorsehung, die der Heilige so sehr verehrte und der er sich immer gehorsamst erwies, einen anderen Weg auf.
Bei einer Zusammenkunft von Dominikanern und Franziskanern zeigten sich seine Fähigkeiten, und von dem Moment an wurde er dazu berufen, die heiligen Studien wieder aufzunehmen. Es dauerte nur kurze Zeit, bis er begann zu lehren und als Professor für die Studien der Gottheit verantwortlich zu sein. Doch selbst in diesem hohen Amte verzichtete der Heilige nicht auf die Armut und Einfachheit eines normalen Bruders des Ordens, sondern verband im Gegenteil seine Tätigkeit mit heiliger Buße und innigem Gebet. Sein Ordensvater, der heilige Franziskus, schrieb ihm explizit vor, dass er das Gebet an die erste Stelle seines Lebens stellen sollte. Der zutiefst durch die Betrachtung der göttlichen Weisheit geprägte Professor nahm diesen Ratschlag dankend an und lebte seinen Blick und sein Herz fest auf Gott gerichtet, weiter.
Doch der Gnade folgend, die ihn zur Bekehrung der Sünder aufrief, verließ er seinen Posten und zog aus, um den Menschen zu predigen. In dieser Rolle erreichte er die Erfüllung seiner Berufung. Antonius wird in seiner Aufgabe als Prediger so beschrieben: Vom Geist des Gebetes durchdrungen, predigte er die heiligen Wahrheiten des katholischen Glaubens mit solchem Feuer und Lebhaftigkeit, dass selbst die schlimmsten Sünder in Tränen ausbrachen, gerührt von der Überzeugungskraft des durchbeteten Vortrags. Es war gerade die Einfachheit und Frömmigkeit, der heilige Eifer, der seinem Wort entströmte.
Diese Predigt, war es, die seine Bekanntheit so stark anwachsen ließ, dass sein Ruf bis zum Heiligen Vater drang. Dieser traf in der Folge auch persönlich mit ihm zusammen und versuchte ihn sogar in Rom zu behalten. Er hatte damit die höchste Bestätigung erhalten, die denkbar ist. Hier beweist sich erneut das Schriftwort: „Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ Ganz von heiliger Demut entbrannt suchte er nichts sehnlicher als vor den Menschen verborgen zu sein, doch Gott erhöhte ihn mit größten Ehren.
Dies schließlich erreichte seinen Höhepunkt in der Erhebung des Antonius von Padua zur Ehre der Heiligkeit. Diese Kanonisierung fand nur ein Jahr nach seinem Tod statt. Die Vielzahl an Wundern und der Ruf der Heiligkeit waren so stark, dass die Heiligsprechung unverzüglich erfolgte und später die Bestätigung der Größe dieses Mannes durch seine Erhebung zum Kirchenlehrer im Jahr 1946.
Für uns bleibt das Andenken eines großen Heiligen, der sich durch die intensive Betrachtung der Wahrheiten Gottes auszeichnete. Dieser Mann war durch inneres Gebet gekennzeichnet. Doch er beschränkte sich nicht darauf. Aus der Quelle aller Gnaden, dem Heiligsten Herzen Jesu, schöpfte er unermüdlich reiche Ströme an lebendigem Wasser, die er dann in seinen Predigten über die Menschen ausgoss. Er war ein wahrhaft apostolischer Mensch, der in allem allein die größere Ehre Gottes suchte und aus dem Herzen des Erlösers allein lebte. Erst diese tiefe Innerlichkeit machte seine äußere Tätigkeit fruchtbar und verlieh ihm die Fähigkeit, selbst die härtesten und verstocktesten Sünder zu bekehren. Diese intensive Tätigkeit und noch intensivere Innerlichkeit sollten für uns ein nachzuahmendes Beispiel sein.
Verehren wir den heiligen Antonius unter diesem Aspekt, finden wir darin einen Weg, der für unsere Zeit als einzige Option verbleibt. Nachdem alle menschlichen Unterfangen in unserer gottlosen Welt auswegslos sind, bleibt nur noch das Vertrauen auf Gott als Rettung. Die Krise unserer Gesellschaft, der Glaubensabfall sind so enorm, dass die schwachen Mittel der menschlichen Kraft niemals in der Lage sein werden, diese zu beheben. Aber im heiligen Antonius offenbart Gott das Heilmittel für unsere Zeit. Wir benötigen in allen Ständen, in allen Bereichen der Gesellschaft, vom Priester bis zu den Familien, tief innerliche Seelen, die von der Liebe zu Gott durchdrungen sind und ihre Seelen immer wieder im Heiligsten Herzen unseres Erlösers läutern. Wir brauchen aber auch zutiefst tätige Seelen, die keine andere Antriebskraft haben als die Gnade selbst und darin den Urgrund ihrer Tätigkeit finden.
Mit diesen apostolischen Seelen allein kann es gelingen, diese Gesellschaft zu bekehren und eine tiefgreifende geistliche Erneuerung einzuleiten.
Möge der heilige Antonius uns beistehen auf diesem Weg!
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