Die Vorsehung und die Zweitursachen

Die Vorsehung und die Zweitursachen

Gott ist souverän Herr über seinen Ratschluss. Aber um ihn auszuführen, bedient er sich auch der Mitwirkung der Geschöpfe. Das ist nicht ein Zeichen der schwäche, sondern der Größe und Güte Gottes. Denn Gott gibt seinen Geschöpfen nicht nur das Dasein, sondern auch die Würde, selbst zu handeln. Ursache und Ursprung voneinander zu sein und so an der Ausführung seines Ratschlusses mitzuarbeiten Den Menschen gewährt Gott sogar die Möglichkeit, in Freiheit an seiner Vorsehung teilzunehmen, indem er ihnen die Verantwortung anvertraut, sich die Erde zu „unterwerfen“ und über sie zu herrschen, Gott ermöglicht so den Menschen, vernünftige, freie Ursachen zu sein, um das Schöpfungswerk zu vervollständigen und zu ihrem und der Mitmenschen Wohl seine Harmonie zu vervollkommnen. Die Menschen sind oft unbewusst Mitarbeiter Gottes, können jedoch auch bewusst auf den göttlichen Plan eingehen durch ihre Taten, Ihre Gebete, aber auch durch ihre Leiden. Dadurch werden sie voll und ganz „Mitarbeiter Gottes“ (1 Kor 3,9; 1 Thess 3,2) und seines Reiches. Vom Glauben an Gott den Schöpfer lässt sich somit die Wahrheit nicht trennen, dass in jedem Tun seiner Geschöpfe Gott tätig ist. Er ist die Erstursache, die in und durch die Zweitursachen wirkt. „Denn Gott ist es, der in euch das Wollen und das Vollbringen bewirkt, nach seinem Wohlgefallen“ (Phil 2,13). Diese Wahrheit beeinträchtigt die Würde des Geschöpfes keineswegs, sondern erhöht sie. Durch die Macht, Weisheit und Güte Gottes aus dem Nichts gehoben, vermag das Geschaffene nichts, wenn es von seinem Ursprung abgeschnitten ist, denn „das Geschöpf sinkt ohne den Schöpfer ins nichts“ (GS 36,3). Erst recht kann es ohne die Hilfe der Gnade sein letztes Ziel nicht erreichen. Quelle: Katechismus der Katholischen Kirche – Oldenbourg Benno Paulusverlag Veritas, 1993.Nr. 306-308.