Stift Neuburg bei Heidelberg und die Wiedergeburt des Katholizismus im Geiste der Romantik!

Stift Neuburg bei Heidelberg und die Wiedergeburt des Katholizismus im Geiste der Romantik!

"Closter Neuburg" nach einem Stich von Matthäus Merian, 1645.

Wie zu Zeiten der Romantiker Brentano, Arnim und Eichendorff liegt Altheidelberg, unverändert und herrlich, am Neckar. Die alte Residenz der pfälzischen Kurfürsten, tief protestantisch geprägt, beherbergt die älteste deutsche Universität, die viele Berühmtheiten anlockte. Viele davon pilgerten gern neckaraufwärts ins nahgelegene katholische Stift Neuburg. Es befindet sich auf dem Ziegelhäuser Köpfelberg am Nordufer des Neckar und ist auch über den Philosophenweg erreichbar.
Als Benediktinerkloster anno 1130 von Mönchen aus der Reichsabtei Lorsch gegründet, war das Stift vom Wohl und Wehe der nahen Heidelberger Landesherrn abhängig und erlebte eine wechselvolle Geschichte. Nach der Reformation wurde das Kloster in ein "Fürst Gräff und Adeliches Fräulein und Jungfern-Stift" umgewandelt und trägt seither das "Stift" in seinem Namen. Als es 1825 in den Besitz des Kaiserlichen Rates Schlosser, eines Verwandten Goethes, gelangte, wurde das Stift zu einem Treffpunkt bedeutender Persönlichkeiten der deutschen Kultur- und Geistesgeschichte - und blieb es über hundert Jahre. Der Komponist Carl Maria von Weber kehrte in Neuburg oft und gern ein. "Melodien sammeln", nannte er seine Besuche - und fand dabei den Urstoff für seinen "Freischütz". Brentano, Arnim, Eichendorff und Görres, die als Literaten und Publizisten dem Untergang des altehrwürdigen "Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation" nachtrauerten und an einer Rekatholisierung des deutschen Geisteslebens arbeiteten, beschwörten im Stift Neuburg den Geist der katholischen Zivilisation des Mittelalters.
1926 kehrten die Benediktiner nach jahrhundertelanger Absenz wieder nach Neuburg zurück und übernahmen das Stift in schwierigen Zeiten. Doch mit dem ersten Abt Adalbert Graf von Neipperg hatte das Kloster einen unerschrockenen und tapferen Vorsteher, der den Katholizismus wider die Unbilden des Zeitgeistes verteidigte. 1948 wurde er in Jugoslawien von Kommunisten zu Tode gefoltert. Der als Heeressanitäter in Kriegsgefangenschaft geratene Neipperg, der auch Schweizer Staatsbürger war, blieb aus freien Stücken und seelsorgerischer Pflicht bei seinen Heereskameraden - und bezahlte mit dem Martyrium. Erst 1989 wurden seine Gebeine nach Stift Neuburg überführt.
Neuburg ist bekannt für seine Efeuzucht und damit für Pflanzen, die für unverbrüchliche Treue zum Alten und für Ewigkeitssinn stehen. Kann es etwas Katholischeres geben? - Ja, vielleicht. Wer im Park wandelt, findet unweit des Klostereingangs eine alte Mariensäule. Sie ist die steingewordene, verehrungswürdige Erinnerung an die Unbefleckte Empfängnis Mariens. Hat sich Brentano hier zu seinem berühmten Werk vom "Leben der heiligen Jungfrau Maria. Nach den Betrachtungen der gottseligen Anna Katharina Emmerich" inspirieren lassen?

Mariensäule vor Stift Neuburg, Zeichnung aus der Sammlung Karl Weißer, 1880.